2007 entstand auf Initiative eines pensionierten Lehrers der Literarische Zirkel und Gesprächskreis des Mannheimer Arbeitslosenzentrums (MAZ) und der Lutherkirche.
Arbeitslose und Menschen, die nicht arbeitslos sind, treffen sich, um selbstverfasste oder fremde Literatur einander vorzustellen und zu besprechen oder um sich einfach einmal untereinander auszutauschen. Inzwischen hat sich ein fester Kern von sechs Leuten gebildet, der freundschaftlich miteinander verbunden ist, aber jederzeit auch bereit ist, neue Interessenten in die Gruppe aufzunehmen.
Besonderes Merkmal des Zirkels ist, dass diesem Kreis nicht nur Arbeitslose, sondern auch Berufstätige und Rentner angehören. Ausgangspunkt der Überlegungen für den Literarischen Zirkel war, dass durch die Auseinandersetzung mit Literatur der eigene Alltag und die eigene Lebenssituation besser reflektiert und bewältigt werden kann.
Der Literarische Zirkel trifft sich alle zwei Wochen, montags ab 18:00 Uhr. Bitte erkundigen Sie sich bei Interesse im Mannheimer Arbeitslosenzentrum (MAZ) nach dem nächsten Termin.
Es ist der helle Wahnsinn, so das Motto und erst noch das Sujet auf den Fasnachtslaternen der 1997iger Baseler Fasnacht. Seit Jahren komme ich nun schon hierher in die Stadt am Rheinknie und jedes Mal ist es dasselbe, wie magisch angezogen ergreift es auch mich, knapp eine Woche nach unserem bundesdeutschen Karneval.
Dann sitze ich im Zug um hinunter in die Regio zu fahren. Und ich stoße vor ins Epizentrum dieser geheimnisvollen Zeremonie; ganz so verschieden zu unserer Art hierzulande Fasching oder Karneval zu feiern; je nach Region.
Fasnacht in Basel: Das ist etwas über hundert Jahre Tradition, und dennoch gipfelt sie in den uralten schwäbisch alemannischen Fasnachtsbräuchen. Aber es ist mehr als dies, und es fällt dem Chronisten schwer, das ganze Drumherum zutreffend zu beschreiben. Mal erinnert es an Totentanz und Höllenspektakel, dann wieder kommen eher die lustigen, ausgelassenen Züge der Fasnacht hervor.
Auch erinnern uns die kunstvollen Masken und Larven, die getragen werden, an Venedig. Doch wenn wir das Ungestüme skandieren der Wäggis dann wieder hören, fühlen wir wiederum heimatlich. An dieser Stelle möchten wir etwas über die Begriffe aufklären.
Der Wäggis oder auch Wackes, doch hier in der Regio heißt er eben Wäggis ist das lustige Zerrbild des benachbarten Elsässer Bauern mit seinem blauen Bauernkittel, den bunten Ringelsocken, die stets in Holzschuhen stecken. Zu guter letzt der gewaltige Schwellkopf mit Klobennase, umringt von Haaren, die wie Sauerkraut oder Besenborsten abstehen, bringt er schon alleine durch sein Erscheinungsbild Heiterkeit in die Menschenmenge.
Solche Exemplare sollen einmal auf dem Baseler Marktplatz ihre Waren feilgeboten haben, doch die Fasnacht karikiert oft bin ins Unerkenntliche. Und so beschimpfen die Wäggis weiterhin die Leute von ihren Wagen herab oder sie werfen massenweise Räppli, wie man hier das bunte Konfetti nennt.
Oder die Bingis, das sind die kleinen Fasnachter, denen man den Fasnachtsdienstag oder den so in Basel genannten Zysch Dygg Nachmittag reserviert. Hier können die Kinder einmal mehr zeigen, was in ihnen steckt. Schon mit Trömmeli und Stöckeli ausgestattet hauen oft die Allerkleinsten los, was das Zeug hält. Doch auch das gekonnte Spiel der zehn bis fünfzehnjährigen kann sich schon durchaus hören lassen.
Der Dienstag ist nicht nur der große Tag der Kinder und Jugendlichen, die schon einen ansehnlichen Zug zusammen bringen, nein der Abend ist den Guggemusiken reserviert. Das sind Kapellen und Musikzüge, die es in sich haben, und die Märsche und sonstigen musikalischen Darbietungen werden immer raffinierter. Dafür üben sie das ganze Jahr. Eine Guggemusik zu beschreiben ist sehr diffizil. Wir wollen es versuchen.
Allem und allem voran der Tambourmajor, das ist eine abenteuerlich kostümierte Figur mit dem Taktstock in der behandschuhten Hand. Ein gewaltiger Schwellkopf überragt den von ihm angeführten Musikzug, der aus circa 30 Personen besteht, und sie alle spielen Musik in den schrägsten Tönen. Sinn der Guggemusiken ist es nämlich aktuelle Tagesschlager zu persiflieren und oft Töne dahin zu setzen, wo sie nicht hingehören. Das nennt man Kakophonie. Und zu ihren kakophonischen Leistungsschauen, Guggekonzert genannt, treffen sich stets am Dienstagabend bis 50 oder 60 Musikzüge in Basel.
So etwa ab 19:00 Uhr dann marschieren die skurrilsten Gestalten, angeführt von den Tambourmajoren in Formationen, im Marsch oder auch lässigen Sambaschritt, im Klein Basel ein. Hier am Badischen Bahnhof kommen die meisten mit den Zügen aus der Umgebung, aber auch mit Sonderbussen, an. Und nun marschieren sie vorbei an der Baseler Messe, an deren gewaltigen Fronten das scheppern der Blechdeckel und das Dröhnen der Trommeln und Basshörner widerhallt.
In Richtung Zentrum, über die mittlere Rheinbrücke hinüber nach Groß Basel, um da in den umliegenden Straßenplätzen zu verteilen. Das geht die ganze Nacht so, oft bis ins Morgengrauen und die Straßen sind voll von Musik, die nicht an Lärm spart. Höhepunkte sind dabei die Konzerte auf den drei Tribünen, die in der Innenstadt verteilt sind. Hier finden vor gespannten Publikum die so genannten Konzerte oder Monstre genannt, statt. Die besten Guggen werden prämiert.
Doch der schönste Moment, Auftakt und Höhepunkt zugleich, ist immer noch in jedem Jahr der Morgenstreich. Wenn sich vom Marktplatz ausgehend, einem Lavastrom gleich, der Strom der vielltausend beleuchteten Laternen und Laternchen in alle umliegenden Straßen und Gassen ergießt. Das ist dann immer wieder ein Schauspiel, bei dem man den Atem anhält. Sodann die Laternenausstellung auf dem Münsterberg, bei der man die größten Laternen und vielen Sujets der Fasnacht noch einmal bewundern kann. Oft sind es bis zu 200 Laternen, die da aufgestellt werden.
Bei uns in Deutschland gibt es den alten Karnevalsschlager, dass am Aschermittwoch alles vorbei sei, doch hier auf die Baseler Fasnacht trifft das nicht zu. Mittwoch ist der Nachmittag des zweiten Nachmittagsumzuges, im Grunde nur eine Wiederholung des ersten Umzugs vom Montag, der europaweit im Fernsehen übertragen wird. Und mit dem Endstreich, der bis in den frühen Donnerstagmorgen andauert, ist dann um Punkt 4:00 Uhr die Fasnacht abgeschlossen.
Und es sind wohl mit Sicherheit die drei schönsten Tage oder Täg, wie man sie hier bezeichnet. Doch mit deutschen und rheinischen Karneval lässt sich das hier in Basel nicht vergleichen. Die Straßenfasnacht trägt oft melancholische, ja bisweilen ein wenig depressiv stimmende Züge. Dann erscheint sie dem Besucher wieder ausufernd vor Lebensfreude und Lebenslust, doch das Wesen der Baseler Fasnacht wird man als Außenstehender nur schwer ergründen können.
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